“bit­ter­böse” Komödie von There­sia Walser

Der Anlass ist eine schnöde Pressekon­ferenz. Die Jour­nal­is­ten­meute lässt auf sich warten, die drei Damen, die sich dort präsen­tieren sollen – alle­samt ehe­mals First Ladies bekan­nt berüchtigter Dik­ta­toren -, vertreiben sich daher zusam­men mit einem Dol­metsch­er back­stage die Zeit. Man ken­nt sich, mehr oder weniger, vom Hören­sagen. Grün ist man sich deshalb noch lange nicht, denn jede der drei beansprucht, gemäß dem eige­nen Selb­stver­ständ­nis, den Platz an der Sonne für sich. Keine ein­fache Auf­gabe für den Dol­metsch­er, denn Frau Mar­got, Frau Imel­da und Frau Leila sind auf Krawall gebürstet.

Der Titel dieser Komödie bezieht sich auf ein Gedicht des im Jahr 2011 mut­maßlich gelyncht­en lybis­chen Dik­ta­tor Muam­mar al-Gaddafi, in dem dieser einen ein­samen Herrsch­er beschreibt, der ungerechter­weise von seinem Volk ver­fol­gt wird.
Näm­lich­es Schick­sal nehmen auch die drei Damen, die There­sia Walser auf die Bühne schickt, für sich in Anspruch. Denn sie eint ein real­er Hin­ter­grund. Hin­ter Frau Mar­got, beispiel­sweise, lässt sich Frau Honeck­er ver­muten, hin­ter Frau Imel­da die Gat­tin Fer­di­nand Mar­cos‘, des langjähri­gen philip­pinis­chen Dik­ta­tors und hin­ter Frau Leila, schließlich, eine Mis­chung aus Leila Ben-Ali, Suzanne Mubarak und Asma Assad.
In bizarr-grotesken Gedanken- und Argu­men­ta­tion­s­mustern offen­baren sich hier grandiose Selb­st­darstel­lerin­nen, gefan­gen in Lebenslü­gen und darauf bedacht, ihre von Grausamkeit und Skru­pel­losigkeit geprägten Lebens­geschicht­en schönzure­den. Ein wort­ge­waltiges, bit­ter­bös­es und zugle­ich urkomis­ches Theaterspektakel.

Regie: Gor­dian Beck und Lau­ra Dorschner

Text: Kul­turstadl

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